1. Effizienzpotenziale in der Wärmeversorgung nutzen
Eine zukunftsfähige Wärmeversorgung erfordert die Ausbalancierung von Gebäudeenergieeffizienz und einer zunehmend CO₂-armen beziehungsweise CO₂-freien Wärmebereitstellung. Wir fordern hierzu die Rahmenbedingungen insb. die Fördersysteme (BEG, BEW und KWKG) aufeinander abzustimmen und weiterzuführen.
2. Einsatz klimaneutraler Technologie ermöglichen
Die klimaneutrale Wärmeversorgung ist stark von lokalen Gegebenheiten abhängig; eine einheitliche Lösung gibt es nicht, sie muss daher technologieoffen bleiben. Wärmenetze benötigen für die Spitzenlastabdeckung weiterhin speicherfähige, hochenergetische Energieformen. Nicht überall ist eine leitungsgebundene Wärmeversorgung oder vollständige Elektrifizierung möglich. Wir fordern alle klimaneutralen Wärmeoptionen zu ermöglichen.
3. Sektorkopplung Strom und Wärme gezielt vorantreiben
Durch die intelligente Kopplung der Sektoren Elektrizität, Wärme, Verkehr und Industrie können erneuerbare Energien effizienter genutzt und der Energiebedarf gesenkt und die Wirtschaftlichkeit gesteigert werden. Technologien wie Wärmepumpen, Power-to-Heat, KWK und Abwärmenutzung entlasten Netze und optimieren den Betrieb von Wärme- und Stromsystemen. Wir fordern die Sektorkopplung konsequent zu fördern und die vorhandenen regulatorischen Hürden abzuschaffen.
4. Leitungsgebundene Wärmeversorgung effizient ausbauen
In Gebieten mit ausreichend hoher Wärmedichte oder günstig verfügbaren Wärmequellen kann die leitungsgebundene Wärmeversorgung ein großes Potential entfalten. Wärmesysteme sind ein komplexes, lokal spezifisches Zusammenspiel aus Wärmequellen, Wärmesenken und Verteilinfrastruktur. Diese müssen immer zusammen gedacht werden, um die größtmögliche Effizienz zu erreichen. Wir fordern, dass es keine regulatorische Trennung zwischen Vertrieb, Erzeugung und Verteilung gibt.
4.1. Wärmenetze
Der Ausbau von Wärmenetzen erfordert langfristige Planungssicherheit, auskömmliche Finanzierung und ausreichende Flächenbereitstellung. Nur wenn rechtliche und politische Rahmenbedingungen, sowie Förderprogramme verlässlich und über längere Zeiträume hinweg gesichert sind, können Kommunen und Versorgungsunternehmen die notwendige Infrastruktur aufbauen und effizient betreiben. Wir fordern verlässliche Förder-, Planungs- und Rechtsbedingungen zu schaffen, damit Wärmenetze wirtschaftlich und zügig ausgebaut werden können.
4.2. Wärmequellen
Für eine klimaneutrale Wärmeversorgung müssen alle verfügbaren Wärmequellen wie Umweltwärme, Biomasse, Biogas, Abwärme, Geothermie und Wasserstoff effizient genutzt und langfristig gesichert werden. Dabei sind die Risiken bei der Geothermie, z.B. Fündigkeitsrisiken, sowie der Aufwand für Abwärme-Absicherungen zu berücksichtigen. Unvermeidbare Abwärme aus thermischer Abfallverwertung und industriellen Prozesse sollte weiterhin als klimaneutral gelten. Kraft-Wärme-Kopplung bleibt ein wichtiger Baustein für Effizienz und Versorgungssicherheit. Wir fordern klare und verlässliche Rahmenbedingungen zu schaffen, damit alle klimaneutralen Wärmequellen erschließbar und nutzbar sind und bleiben.
5. Contracting stärken
Contracting als Dienstleistung der Versorger entlastet Kundinnen und Kunden von Investitions-, Betriebs- und Wartungskosten und ermöglicht zugleich effiziente und klimafreundliche Wärmelösungen. Wir fordern klare und stabile Rahmenbedingungen, z.B. in der Wärmelieferverordnung, zu schaffen, die Investitionen in nachhaltige Contracting-Lösungen ermöglichen.
6. Wärmepläne effizient umsetzen
Die Wärmepläne bieten eine wichtige Basis für die Diskussion für die Umstellung der Wärmeversorgung in den Gemeinden. Die Umsetzung der kommunalen Wärmeplanung ist Aufgabe der Gemeinden. Versorgungsunternehmen können jedoch nur umsetzen, was technologisch und wirtschaftlich darstellbar ist. Die Umsetzung der erstellten Wärmepläne erfordert in Baden-Württemberg neben praxisgerechten Bauvorschriften insbesondere eine enge Abstimmung zwischen GEG, WPG und KlimaG BW. Wir fordern die gesetzlichen Rahmenbedingungen so zu harmonisieren, dass die aus der kommunalen Wärmeplanung resultierenden Maßnahmen realistisch, wirtschaftlich und technisch umsetzbar sind.
7. Vertrauen in die Wärmeversorgung stärken
Wärmesysteme unterscheiden sich je nach Standort erheblich: Wärmequellen, Netzdichte, Temperaturniveaus und Erzeugungstechnologien bestimmen sowohl die technische Ausgestaltung als auch die Kosten. Ein reiner Preisvergleich ohne Berücksichtigung der individuellen Kostenstruktur ist nicht sachgerecht, da jedes Netz auf andere lokale Bedingungen reagieren muss. Wir fordern lokale Kosten- und Technologievielfalt der Wärme anzuerkennen und Rahmenbedingungen zu schaffen, die das Vertrauen in die Wärmeversorgung stärken.
8. Keine gegenläufigen Förderinstrumente
Der Ausbau von Wärmenetzen ist ein zentraler Baustein für eine effiziente, klimafreundliche und bezahlbare Wärmeversorgung. In ausgewiesenen Wärmenetzausbaugebieten untergräbt die Förderung dezentraler Heizsysteme wie Wärmepumpen jedoch häufig die Wirtschaftlichkeit der Netze, da potenzielle Anschlüsse verloren gehen. Dies erschwert Investitionen, verzögert den Netzausbau und führt zu höheren Kosten für verbleibende Kunden. Wir fordern, dass keine Förderung von dezentralen Heizsystemen in Wärmenetzausbaugebieten erfolgt, da diese Förderungen den Aufbau und den Betrieb eines effizienten und klimaneutralen Wärmenetzes konterkariert.
9. Tiefengeothermie in Baden-Württemberg stärken
Baden-Württemberg hat große Potential für erneuerbare Wärme aus der Tiefengeothermie, zum Beispiel im Oberrheingraben oder in Oberschwaben. Um dieses nutzbar zu machen, sind länderübergreifend einheitliche bergrechtliche Auflagen und Auslegungen des Bundesberggesetzes notwendig. Wir fordern die Genehmigungsverfahren in Baden-Württemberg stärker zu standardisieren und digitalisieren.