Gegenwind für Bürgerenergiegenossenschaften im Land

Mit dem Bau von Windkraftanlagen auf der Schwäbischen Alb bei Böhmenkirch begann das Albwerk schon 2001 damit, die Energiewende in der Region umzusetzen. „Wo immer es möglich war, haben wir die Bürgerinnen und Bürger aus der Region mit ins Boot geholt und Beteiligungsmöglichkeiten geschaffen“, betont Hubert Rinklin. „Es ist unsere feste Überzeugung, dass die Energiewende nur so gelingen kann.“ Bestätigt wird dies durch die Statistik: Im Jahr 2012 befanden sich deutschlandweit 9,7 % der installierten Leistung aus Erneuerbaren Energien in der Hand von Bürgerenergiegesellschaften. Allein in Baden- Württemberg sind mehr als 25.000 Menschen in 150 Energiegenossenschaften engagiert. Leider ist Baden- Württemberg noch weit vom erklärten Ziel der Landesregierung entfernt, bis 2020 10 % des Energiebedarfs aus Windkraftanlagen (WKA) bereitzustellen. Dazu wären ca. 1.200 WKA mit einer installierten Leistung von 3.500 MW notwendig. Bis 2015 waren noch lediglich 396 WKA mit einer installierten Leistung von 550 MW am Netz. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Windprojekte scheitern häufig bereits in der Entwicklungs- und Planungsphase: Die fachlichen, zeitlichen und finanziellen Anforderungen im Rahmen der Genehmigungsverfahren sind enorm. Zu denken ist hier beispielsweise an Kosten für Informationsveranstaltungen und wissenschaftliche Gutachten, um Naturschutz, Artenschutz, Vogelschutz etc. gerecht zu werden. „Die Gesamtentwicklungszeit eines solchen Vorhabens beträgt heutzutage ca. fünf Jahre.“ Beim Windpark Lauterstein handelt es sich um den mit 16 Anlagen größten zusammenhängenden Windpark im Land, der derzeit im Netzgebiet des Albwerks entsteht. „Um solche Zeiträume zu überstehen, braucht man nicht nur einen langen Atem, sondern auch viel Erfahrung und das notwendige Kapital. Über beides verfügen Bürgerenergiegenossenschaften in der Regel nicht.“ Auch deswegen wird das Albwerk, das drei der 16 Anlagen in Lauterstein übernimmt, selbst eine Beteiligungsmöglichkeit für Bürger aus der Region initiieren und eine der Anlagen für eine Bürgerenergiegenossenschaft zur Verfügung stellen. „So bleiben wir unseren Wurzeln treu und schaffen Akzeptanz für ein Energiewendeprojekt, das praktisch vor unserer Haustür entsteht.“ 

Eine weitere Verschlechterung für das Engagement von Bürgerenergiegenossenschaften steht mit den geplanten Ausschreibungsmodellen ins Haus. Man erhofft sich, so den Ausbau der Erneuerbaren Energien effizient und kostengünstig zu gestalten. Daraus folgt, dass Windkraftanlagen in erster Linie an sehr guten Windstandorten im Norden realisiert werden. Zudem werden kleine Akteure, wie zum Beispiel Bürgerenergiegenossenschaften, aus Kosten- und Risikogründen kaum an Ausschreibungen teilnehmen und sich aus dem Markt zurückziehen. „Hier treffen hohe Planungs- und Entwicklungskosten auf eine extrem unsichere Realisierungs- und Erlössituation“, erklärt Rinklin. Um die Akteursvielfalt in Baden-Württemberg zu erhalten und die Akzeptanz der Energiewende in der breiten Bevölkerung zu sichern, bemüht sich der Fachausschuss Energie-Genossenschaften des BWGV um einen intensiven Erfahrungsaustausch mit Politikern, Entscheidungsträgern und Verbänden. „Es ist wichtig und richtig, dass die Klimaund Umweltminister von Baden-Württemberg und weiteren Bundesländern fordern, einen regionalen Faktor bei den geplanten Ausschreibungen für Windkraft einzuführen. Damit würde einer einseitigen Verschiebung des Windkraftausbaus in den Norden Deutschlands, der letztlich auch höhere Netzausbaukosten nach sich ziehen würde, entgegengewirkt.“ 

Abstract zum Unternehmen: Die Alb-Elektrizitätswerk Geislingen-Steige eG ist die größte und älteste Energiegenossenschaft in Baden-Württemberg. 1910 gegründet, vereint sie heute mehr als 20 Tochter- und Beteiligungsfirmen unter ihrem Dach. Das größte Tochterunternehmen, die Albwerk GmbH & Co. KG, betreibt ein Stromnetz, das über 110.000 Menschen täglich mit Strom versorgt.

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